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Die beängstigende Fokussierung auf den Linkaufbau

Ich betreibe Suchmaschinenoptimierung schon recht lange. Seit ich Webapplikationen entwickle steht für mich primär eine Frage im Raum: Wie gewinne ich Nutzer für mein Projekt oder das Projekt, welches ich gerade für den Kunden oder den aktuellen Arbeitgeber entwickelt habe. Ist es Euch einmal gelungen eine Website ins Netz zu stellen, den Link an 10 Freunde zu schicken und wenige Monate später damit 800.000 Page Impressions aus 190 Ländern zu generieren? Vermutlich den wenigsten. Mir ist dies schon einmal gelungen. Ich sage es gleich: es hatte nichts mit Linkaufbau oder anderen Disziplinen der Suchmaschinenoptimierung zu tun. Die Menschen da draußen scheinen zunehmend zu glauben: “Wenn ich bei Google oben stehe kommen die Kunden von allein, kaufen meine Produkte und ich werde reich und berühmt”. Tja…

Dann mach doch mal.

SEOs neigen aufgrund Ihres Berufes – Dinge in Suchmaschinen nach oben zu bringen – manchmal dazu auf genau diesen Mechanismus hereinzufallen. Diese Klickgier ist im Bereich von SEA nicht ganz so ausgeprägt, denn da kostet jeder Klick bare Münze. Und was macht der gemeine SEO? Er überfliegt die Website des Kunden und stellt fest: Ok, wir haben hier, hier und da ein bisschen Potential, nennt dem Kunden ein paar Title und H1-Tags die angepasst werden sollen und investiert dann sein ganzes Budget in den Linkaufbau. Ja, eine Website braucht qualifizierte Backlinks um in den Serps zu steigen.

Diese Fokussierung stellt jedoch eine ernsthafte Gefahr für das Budget dar, dass der Kunde einer SEO-Agentur monatlich zur Verfügung stellt. Der Kunde will gar keine Links (bei näherer Betrachtung interessieren sie ihn nicht die Bohne). Der Kunde will auch nicht mit “Kredit” auf Platz 1 der Serps. Ok vielleicht will er das in diesem Fall schon. Worauf ich aber hinaus will: dem Kunden geht es primär um Umsatz. Gewinnoptimierung und Wachstum sind die Faktoren der Geschäftswelt nicht Google Rankings.

Ich kann jedem SEO aus eigener Erfahrung empfehlen: Schaut Euch die Seite des Kunden extrem genau an. Denn hier liegt das am einfachsten zu erschließende Potential für Verkaufserlöse. Zum Bereich der Onsite-Optimierung zählen in diesem Zusammenhang nicht nur die technischen Basics wie:

Sondern vor allem auch die Usability der Seite. Dabei spielt für mich vor allem die Performance der Seite eine wichtige Rolle, was Google seit einiger Zeit nun auch endlich würdigt. Eigentlich ein technischer Aspekt, aber keineswegs selbstverständlich. Wenn Euch euer Programmier einzureden versucht, dass die Seite nicht schneller sein kann, antwortet Ihr am Besten: “Bullshit”. Wenn Ihr dann noch mutmaßt, dass die Datenbank falsch konfiguriert ist, liegt ihr in 90% aller Fälle richtig.

Neben der Performance der Seite und den bereits oben genannten Faktoren, spielt der Aufbau der Seite eine entscheidende Rolle. Wenn das Menü schon mehr als 5 +-2 Menüpunkte enthält, ist der User verwirrt. Enthält die Seite keine vernünftigen grafischen Elemente zur Steuerung der Aufmerksamkeit (“Jetzt kostenlos Registrieren”, “In den Warenkorb”, “Hier klicken für gute Laune”), ist der User verwirrt. Enthält die Seite zu viel Text ist der User verwirrt. Enthält die Seite zu viele Bilder ist der User verwirrt.

Ihr sollt den User nicht verwirren. Macht ihm auf einen Blick klar, was die Seite kann. Überzeugt ihn durch klare Strukturen, einen schnellen Seitenaufbau und ein cooles Produkt.

Danach, und zwar nur danach könnt ihr gern mit dem Linkaufbau beginnen.

Falls jetzt immer noch die Frage aufkommt, warum die Seite aufwändig tagelang Analysiert werden soll und warum Probleme Wochenlang durch die zähe IT-Abteilung des Kunden behoben werden sollen: Ihr steigert allein durch diese Maßnahmen die Konversionsrate des Kunden. Ohne einen einzigen Backlink. Wenn jetzt auch noch die Rankings steigen, ist davon auszugehen, dass sich dieser Effekt multipliziert.

Geschrieben von

Nico Graff ist selbstständiger Webentwickler aus Köln. Er baut Programme und Services und schreibt über die Selbstständigkeit unter graff.cc.

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