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Google „Quick, Draw!“

Erinnert sich noch jemand an die Montagsmaler? Das war eine rhetorische Frage, da es schon eine Weile her ist. Montagsmaler war ein Fernsehratespiel, in dem – zumeist prominente – Kandidaten eines Teams Doodles auf einen Bildschirm zeichneten, die das andere Team erraten musste. Seit Neuestem hat Google jetzt eine Neuauflage im Angebot: Google „Quick, Draw!“.

Das Interessante dabei ist, dass es sich um ein Experiment in künstlicher Intelligenz handelt. Oberflächlich betrachtet, ist „Quick, Draw!“ einfach, spaßig und schnell. Aber dahinter verbirgt sich tatsächlich der Lernmechanismus eines künstlichen, neuronalen Netzwerkes. Das heißt, mit der Zeit sollte der Algorithmus selbstständig bessere Ergebnisse beim Raten der vom User eingegebenen Doodles erzielen.

Die Homepage gibt sich schlicht und stellt die Frage, ob ein neurales Netzwerk lernen kann, Doodles zu erkennen? Wollen wir mal sehen!

Dazu hat man jeweils zwanzig Sekunden Zeit, sechs hintereinander vorgegebene Begriffe mit der Maus auf den Bildschirm zu zaubern. Ich gehe davon aus, dass Google hier nicht schummelt und die Begriffe tatsächlich von einer künstlichen Intelligenz erraten werden. Hier meine Erfahrung vom ersten Versuch.

Der erste Begriff: Pinguin

Ein Pinguin, ok, wo fängt man da an … vielleicht mit dem Schnabel, dann drumherum eine Pinguinform und ZACK … beeindruckend … Google hat das Doodle richtig erraten in nur 8 Sekunden. Das war flott. Ich bin so stolz.

Der zweite Begriff: Papagei

Na, das sollte ja einfach sein, dachte ich, wenn ein Pinguin erraten wird, sollte auch ein Papagei erraten werden, also los … aber nein … Hund, Katze, Maus, Telefon … Google versucht, in Echtzeit während ich zeichne, meinen Papagei zu erkennen, aber schafft es nicht. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass mir die Maus weggerutscht ist, und mein Papagei statt eines Schnabels einen aufgepumpten Elefantenrüssel hat. Tja, auf ein Neues …

Der dritte Begriff: Strand

Oh, das sollte doch einfach sein … ich ziehe eine Linie von links nach rechts … und Google rät „it’s a line“ … ja, stimmt, richtig, aber das stimmt ja bei so gut wie jeder Zeichnung. Also noch flugs eine zweite Linie, eine Sonne … und richtig, Google erkennt „Strand“ nach 14 Sekunden.

Der vierte Begriff: Kreuzfahrtschiff

Mein erster Impuls ist es, die in zwei Hälften im Ozean versinkende Titanic zu skizzieren. Aber ich habe nur zwanzig Sekunden und jetzt vier davon verbraucht, den ersten Impuls zu unterdrücken. Jetzt aber los … wie zeichnet man ein Schiff? Nach insgesamt sechzehn Sekunden hat Google auch das Kreuzfahrtschiff richtig erraten.

Der fünfte Begriff: Engel

Kinderleicht. Ein Kopf, ein Kegel, zwei Flügel, fertig. Wieso sagt Google mir immer, das sei eine Fledermaus? Ok, vielleicht noch ein Heiligenschein … nein, auch der hilft nicht. Schade, dabei dachte ich, das wär eine sichere Sache gewesen.

Der sechste Begriff: Buch

Ein Buch, ein Buch … was war das nochmal? Ach ja, so eine Art Tolino aus Papier. Und verflixt, schon wieder mit der Maus weggerutscht. Dann wird es halt ein aufgeschlagenes Buch … aber auch hier scheitert Google. Oder meine Doodle-Künste, wie man’s nimmt. Jedenfalls wurde meine wunderbar aufgeschlagene Guttenberg-Bibel nicht erkannt.

Endstand: 3:3

Google hat drei der Doodle richtig erkannt, drei nicht. Die Zusammenfassung sieht dann so aus:

zusammenfassung

Spannend wird es dann, wenn man einen Blick in die Auswertung wirft. Warum zum Beispiel hat Google so schnell meinen Strand, aber meinen Engel gar nicht erkannt? In Echtzeit gleicht Google die gemachten Zeichnungen mit den Zeichnungen anderer zum selben Thema ab. Diese Ergebnisse verdeutlichen, warum Google z. B. bei meinem gezeichneten Engel doch eher an eine Fledermaus denken musste, denn mir werden ein paar Versuche anderer Nutzer zum Thema „Engel“ gezeigt.

Zeichnen jetzt zur Weihnachtszeit mehr Leute wie ich auch einen aufstellbaren Kegelengel zu diesem Thema, könnte ich vielleicht beim Spiel in ein paar Wochen mit meiner Zeichnung durchkommen. Denn das neuronale Netzwerk lernt eben dazu. Dazu vergleicht es die zu den Begriffen eingegebenen Zeichnungen mit den schon abgespeicherten. Der Algorithmus „weiß“ also dadurch, wie ein Engel aussieht, indem er vergleicht, wie andere versuchen, einen Engel zu zeichnen.

Das Programm erlaubt sich außerdem so viele Versuche, bis entweder die zwanzig Sekunden um sind oder aber der richtige Begriff gefunden ist. Die wirklich interessante Frage ist also nicht nur, wie gut der Algorithmus aktuell die Doodles erkennt, sondern wie gut er sie eines Tage erkennen wird.

Und kann der Google Algorithmus schon besser raten als der Mensch? Diese sechs meisterhaften Kunstwerke der Doodelei hat Google tatsächlich in meinem zweiten Durchlauf alle richtig erraten.

Könnt ihr’s?

Nick Zwar ist Head of Training & Development bei morefire sowie zertifizierter Google AdWords Partner Academy Trainer und leitet regelmäßig SEA Seminare, Schulungen und Fortbildungen.

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