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SEO Sunday: Ist mobile SEO überflüssig?

Vor einiger Zeit habe ich in einem mir nicht mehr bekannten Artikel oder Tweet (wie das so schön ist, man schnappt irgendwo etwas auf) einen Satz gelesen, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Stirbt das Potential mobiler Suchmaschinenoptimierung schon wieder aus, bevor es sich etablieren konnte? Und auch auf dem kürzlich stattgefundenen SEO Day im Kölner RheinEnergie Stadion hat mich der Vortrag von Pelle Boese auf einen ähnlich Gedanken gebracht, der der gleichen These zu entspringen scheint: Wenn sich mobile Endgeräte aus der Gattung „Smartphone“ mit vollwertigen Displays und Browsern immer weiter durchsetzen und das gute alte Feature-Phone mehr und mehr verdrängt wird, ist dann noch eine Unterscheidung zum Desktop Web zu vollziehen? Und wenn der mobile Google Index in Deutschland dabei auch noch vollkommen unangetastet bleibt, so lässt sich jene Behauptung doch fast schon blind bestätigen.. oder?

Schließlich indexiert Googlebot-Mobile –wie wir nun wissen– nur jenen Content, der für die Darstellung auf Handys optimiert wurde, die das mobile Web nur aus der Sicht der Gattung „Wap“ kennen.  Und sind wir mal ehrlich: diese Art „mobile Web“ wird über kurz oder lang in die absolute Bedeutungslosigkeit abdriften.

Was hat es dann weiterhin mit mobile SEO auf sich? Wenngleich all jene Behauptungen der Einleitung zweifelsohne als gegeben angesehen werden können, behaupte ich nach wie vor: es macht Sinn! Im Folgenden einige Faktoren, die die Relevanz mobiler Suchanfragen für einen eigenständigen Zweig unterstreichen:

 

Ich denke wir sind uns ohne Zweifel einig, dass das mobile Web, wie es derzeit auf den zahlreichen Endgeräten der Gattung „Android“, „iPhone“ oder „Windows Mobile“ vorliegt keine kurzweilige Erscheinung ist. Wenn wir von einem Trend sprechen, ist damit auch immer konnotiert, dass ein potentielles Schwinden dieser Erscheinung nicht ganz unwahrscheinlich ist. In diesem Fall haben wir es aber mit einer technologischen (R)Evolution zutun, die sich dahingehend entwickelt hat, eine Konvergenz aus mobilen Situationen, technologischen Errungenschaften und dem ständigen Bedürfnis nach informationeller Mobilität zu bilden. Dieses Phänomen ist schlicht nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag und spiegelt sich nahtlos in dem rapiden Anstieg des mobilen Suchvolumens wieder:

 

Der erste und wohl prominenteste Befürworter für die Existenz einer Webseite, die auf das mobile Web optimiert ist, wird wohl die Usability sein. Ohne es jetzt breit treten zu wollen: jeder, der regelmäßig das Vergnügen hat, mobil zu surfen, wird wohl schon einmal auf gewisse Grenzen gestoßen sein, in denen das mobile Endgerät ganz einfach kapituliert: seien es zu kleine Bedienfelder, eine zersprengte Formatierung, eine Überladung mit interaktiven Elementen oder aber auch eine zu verschachtelte Hierarchie: Unterm Strich lässt sich der „vollwertige“ Internetbrowser, wie Ihn Branchenvertreter so oft propagieren, nun eben als doch nicht so vollwertig entlarven. Ich würde felsenfest behaupten, dass aus einem ganz offenkundigen Grund schon einmal eine Unterscheidung zwischen mobile Web und desktop Web zu treffen ist: Den Dimensionen der zur Verfügung stehenden Technologie in jeglicher Hinsicht!

 

Was ist ein mobiles Szenario? Folgende Frage: in welcher Situation würde ich eher nach dem nächstgelegenen Kino suchen und in welcher nach einer fundierten Rezension des Films: in einer mobilen oder eine stationären? Ich denke es ist klar, worauf ich hinaus will. Fakt ist, dass 40 % aller mobilen Suchanfragen regional ausgelegt sind. Aber nicht nur das: Wie die aktuelle Ausgabe des Suchradars sehr schön ergänz, sind mobile Suchanfragen häufig auf spezielle Dienste und Informationen, zum Erlangen akuter Hilfe, als Kontaktsuche oder für mobile Dienste formuliert. Dass das mobile Szenario also einen entscheidenden Einfluss auf die Art hat, wie ich etwas Suche bzw. wonach ich suche, ist ganz offensichtlich.

 

Wie wir aus den Gegebenheiten mobiler Szenarien ableiten können, differiert die Art, wie User ihre Suchanfragen formulieren drastisch entsprechend der zugrunde liegenden Situation.  Wer SEO betreibt muss sich danach richten und das ist besonders eindeutig im Falle einer mobilen Situation. Ein Keywordset für eine mobile Webseite kann somit in entscheidenden Punkten gegenüber der stationären Webseite abweichen: Wie ich in meinem Artikel zu den mobile SEO Best Practices bereits erwähnt habe, sind beispielsweise Short-Head Keywords deutlich Trafficstärker als Ultra Long-Tail Keywords. Das spiegelt sich natürlich direkt aus den Fakten der Usability und der mobilen Situation wieder! Aber auch regional-fokussierte Kombinationen von Keyword + Städtenamen werden besonders oft mobil gesucht. Wer ein regional ausgelegtes Unternehmen führt kann sich dadurch ein entscheidendes Stück vom Kuchen sichern. Sicher, die mobile Suche nach der nächstgelegenen Möglichkeit seine Altersvorsorge zu planen macht voraussichtlich weniger Sinn.

 

Ein mobiler Nutzer ist extrem aktionsgetrieben. Das hat eine Studie von Google selbst jüngst ergeben, in der das „mobile Movement“ untersucht wurde. So nutzen 79% der mobilen User Ihr Smartphone als Shopping Hilfe, beispielsweise für Preisvergleiche oder Testergebnisse. Dabei nutzen 70% der User ihr Smartphone, während sie sich in einem Geschäft befinden und lassen somit 74% der Einkäufe als direkte Folge einer „Smartphone-Search“ resultieren. 35% davon tätigen einen Einkauf direkt auf Ihrem Smartphone.

Darüber hinaus nehmen 70% der mobilen Nutzer direkten Kontakt zu einem lokalen Anbieter auf und 44% konvertieren direkt nach der Suche, wovon mit 22% immerhin die Hälfte online konvertiert. Das sind beeindruckende Zahlen, die folgendes Video noch einmal etwas übersichtlicher darstellen:

 

Jasper Thibaut ist Head of SEO bei morefire und mobile SEO Spezialist. Beruflich wie auch privat setzt er sich verstärkt mit dem mobilen Web und Disziplinen des mobile Marketings auseinander. Mehr von ihm gibt es auf jasper-thibaut.de

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