Marketing Trends – Musst Du jeden Hype mitmachen?

Clubhouse und TikTok: Beide Plattformen wurden gehyped und von Marketing Expert:innen unbedingt empfohlen. Eine davon hat sich durchgesetzt, die andere ist sehr schnell in Vergessenheit geraten. 

Jedes Jahr gibt es neue Plattformen, neue Hypes und Trends, die Du als Marketing-Entscheider unbedingt auf die Agenda packen sollst. Aber musst du diesen Empfehlungen folgen? Wie entscheidest Du, was Du angehst und welche neue Plattform Du links liegen lässt?  Schauen wir auf das Beispiel TikTok: Beim Start in Deutschland 2017 wurde die Plattform erst belächelt. Seit 2019 ist sie stark gewachsen und mittlerweile vermutlich bei keiner Marke für junge Zielgruppen mehr wegzudenken. 

Aber auch neue Formate auf bestehenden Plattformen wie Story Ads bei Instagram oder neue Formen wie Voice Search sind Wachstumsmöglichkeiten für Dein Unternehmen.

Wenn Du als Marketing-Entscheider:in vor so einer neuen Möglichkeit stehst, musst Du Dich fragen:

  • Verpasst Du eine Chance, wenn Du nicht reingehst? 
  • Verzettelst Du Dich und verlierst den Fokus, wenn Du auf zu vielen Hochzeiten, bzw. Plattformen, tanzt?

Das Problem hier: Die Möglichkeiten wachsen in den Himmel. Ressourcen und Budgets aber nicht. 

In diesem Blogartikel gebe ich Dir deshalb einen strukturierten Prozess, wie Du an diese neue Möglichkeiten herangehst, wie Du Chancen und Risiken abwägst und eine Entscheidungshilfe, ob und wie Du neue Plattformen testen solltest oder nicht.

Falls Du gerade unterwegs bist, kannst Du Dir hier die Folge „Marketing Trends – Neue Plattformen nutzen, oder abwarten?“ von meinem Podcast „The Art of Marketing“ anhören.

Status Quo der Plattform

Bevor Du mit der Planung von Strategien oder Maßnahmen auf einer neuen Plattform beginnst, solltest Du Dir die Frage stellen: 

Wo steht die Plattform und wie früh will ich dabei sein? 

Es gibt drei verschiedene Zeitpunkte um auf einer neuen Plattform einzusteigen:

First Mover: Diese Einsteiger sind die Pioniere auf den neuen Plattformen. Als First Mover springst Du direkt auf neue Plattformen auf, gehst dabei aber auch ein hohes Risiko ein, da noch keine Erfahrungswerte von Anderen gemacht wurden.

Fast Follower: Fast Follower beginnen eine Plattform zu nutzen, wenn sie merken dass es ein Trend ist. Sie sind nicht die Ersten, sondern warten immer erst ein bisschen ab und beobachten die erste Entwicklung. 

Late Mover: Diese Gruppe wird auch Adopter oder Free Mover genannt, weil sie erst am Zenit der Plattform einsteigen. Sie profitieren kostenlos von Erfolgen und Misserfolgen der Anderen, da bereits Learnings und Erfahrungswerte existieren, auf denen sie kostenlos aufbauen können.

Wann Du auf Plattformen einsteigen solltest hängt ganz von Dir und Deiner Marke ab. Bist Du eine Trendmarke, willst Dich als solche platzieren oder kannst Risiken eingehen, dann ist First Mover oder Fast Follower die richtige Entscheidung. Hast Du weniger Ressourcen oder Dein Unternehmen ist eher konservativ oder Du hast wenig Ressourcen, dann gehörst Du eher zu den Late Movern.


Chancen und Risiken

Neue Plattformen bieten natürlich große Chancen, aber auch genauso große Risiken, die Du unbedingt abwägen solltest, bevor Du Dich für die Nutzung dieser entscheidest.

Chancen neuer Plattformen

Günstiger Einstieg: Viele Plattformen nutzen das Auktionsprinzip. Nutzen die Plattform zu Beginn nur Wenige, so sind z.B. CPCs auch niedrig.

Sichtbarkeit sichern: Steigst Du früh ein, kannst Du Dir relevante Sichtbarkeit auf dieser Plattform sichern. Außerdem werden Unternehmen und Marken, die früh bei neuen Trends mitmachen, als innovativ und trendy bewertet.

Weniger Abhängigkeit: Je mehr Plattformen und Kanäle Du für die Akquise neuer Kund:innen nutzt, desto geringer ist die Abhängigkeit von einer oder zwei Plattformen.

Risiken neuer Plattform

Verlust von Fokus: Viele Kanäle zu bespielen ist zwar gut, kann aber auch dazu führen, dass Du Deinen Fokus verlierst und dadurch nicht das Maximum auf jeder Plattform herausholst. Stelle deshalb sicher, dass Du genug Ressourcen hast um alle Plattformen gleichzeitig zu versorgen und kein Potenzial verschenkst.

Hohe Fehlerwahrscheinlichkeit: Wenn Du früh auf neuen Plattformen einsteigst, hast Du zwar eine steile Lernkurve, machst aber durch die fehlenden Erfahrungswerte Anderer meistens genauso viele Fehler. Darauf solltest Du Dich einstellen.

Zu wenig Impact: Mehr Plattformen bedeutet auch weniger Budget. Verteilst Du Dein Budget auf zu viele Plattformen, kann es sein dass dieses zu klein ist und Du mit Deinen Maßnahmen keinen Impact erzielst. Stelle deshalb sicher, dass Du Dir ausreichend Budget zur Seite legst, um die Plattform richtig zu testen.

Zu früher Einstieg: Steigst Du zu früh ein, kann es passieren dass Du noch wenig Traktion hast. Bei neuen Plattformen ist die Anzahl der User:innen zu Beginn relativ klein, sodass es meist etwas dauert bis sich die großen Erfolge einstellen.

Potenzial abschätzen

Bei neuen Plattformen ist zu Beginn immer schwer vorhersehbar, wie sie sich entwickeln werden. Nehmen wir zum Beispiel TikTok – lange belächelt und jetzt nicht mehr wegzudenken. Oder als Gegenbeispiel Clubhouse, dem ein wahnsinniger Hype gefolgt ist und von dem jetzt nichts mehr zu hören ist. 

Bevor Du Dich deshalb auf eine neue Plattform stürzt solltest Du Dir die Frage stellen:

Wie groß ist der Hebel für Dein Geschäft?

Eine Möglichkeit das Potenzial abzuschätzen ist mit Hilfe des ICE-Scores. Mit dem ICE-Score beurteilst Du eine Idee oder Plattform in drei Kategorien: Impact, Confidence und Ease. 

Mehr dazu findest Du in dem Blogartikel zum ICE-Score oder, wenn Du unterwegs bist, in der dazugehörigen Podcast Folge.

Wenn neue Plattformen auf den Markt kommen gibt es natürlich auch eine Menge an Meinungen von Expert:innen. Diese solltest Du jedoch mit Vorsicht genießen, denn oft nutzen diese Meinungen nur um Aufmerksamkeit zu generieren und auf ihr eigenes Geschäftsmodell hinzuweisen.

Nutze deshalb Deine eigenen Erfahrungen um die Meinungen zu evaluiere und schaue, ob die Prognose der Expert:in ihr Geschäftsmodell beeinflusst.

Stelle Dir ebenfalls die Frage, wie hoch das Risiko ist etwas zu verpassen und nicht mehr aufzuholen, wenn Du 3,6 oder sogar 12 Monate wartest. Meistens ist dieses gar nicht so hoch wie Du denkst. Zum Beispiel kannst Du bei Instagram oder YouTube immer noch erfolgreich werden, wenn Du am Ball bleibst und Zeit und Geld investierst.

 

Ressourcen klären

Hast Du das Potenzial der Plattform für Dich evaluiert, geht es jetzt an Deine Ressourcen. Denn so gut die Plattform und ihr Potenzial auch ist, es bringt Dir nichts wenn Du nicht genug Zeit und Geld hast, um es auch auszunutzen. Wenn Du eine Plattform mit zu wenig Ressourcen angehst, weißt Du bei einem Misserfolg nicht, ob es an den fehlenden Ressourcen, Deinem Ansatz oder der Plattform selbst gelegen hat.

Finde deshalb heraus, wie viele Ressourcen Du benötigst, um einen ernsthaften Test in einem festgelegten Zeitraum durchzuführen.

Dazu musst Du Deine Ressourcen allokieren, d.h. freie Ressourcen nutzen, zusätzliche Ressourcen beantragen oder bereits genutzte Ressourcen verschieben. Bekommst Du keine zusätzlichen oder hat keine freien Ressourcen mehr, dann ist die einzige Möglichkeit diese zu verschieben.

Was solltest Du bei der Verschiebung von Ressourcen beachten?

Manchmal ist es effektiver aus bestehenden Kanälen mehr herauszuholen als einen neuen Kanal aufzumachen. Stelle sicher, dass Du nur Ressourcen von Kanälen abziehst, die Du schon ausgeschöpft hast.

Ziehe nur Ressourcen von denen Kanälen ab, bei denen Du dadurch keine Ergebnisse gefährdest. Zu wenig Fokus bei Wachstumskanälen kann nämlich schnell zur Stagnation führen.

Die beste Reihenfolge für Plattformen ist deshalb:

  • Fokus auf die Plattformen
  • Skalierung, das Maximum herausholen
  • Automatisierung der Vorgänge bei Sättigung

Budgets & Kosten

Ähnlich wie bei den Ressourcen hast Du zwei Möglichkeiten um an Budget für neue Plattformen zu kommen: Zusätzliches Budget beantragen oder von anderen Kanälen wegnehmen.

Wichtig: Die Budgetgröße muss relevant sein um überhaupt einen Impact zu sehen. z.B. solltest Du bei LinkedIn mit mindestens 2000€ starten.

Um das Budget zu bestimmen solltest Du eine Hochrechnung machen, d.h. was wird die Erzielung einer KPI kosten, wie viel Geld musst Du investieren, um an eine valide Anzahl Deiner Wunsch-KPI zu kommen.

Bei neuen Plattformen sind die Preise am Anfang noch gering und machen einen Start auf der Plattform sehr attraktiv. Deshalb lohnt es sich früh einzusteigen, günstige Klickpreise zu nutzen und Traktion zu bekommen, bevor der Wettbewerb und die Preise steigen.

Hast Du zu wenig Budget, dann musst Du Deine Strategie nochmal überdenken.

Kommunikation berücksichtigen

Jeder zusätzliche Kanal verringert nicht nur Deine Ressourcen, sondern steigert vor allem den internen Aufwand in der Kommunikation. Es müssen nun Deine Werbemittel auf die Plattform abgestimmt werden und Du musst im Team mehr Leute miteinander verbinden, damit sie sich über Tests, Erfolge und Misserfolge austauschen. Zudem kannst und solltest Du die Maßnahmen und verschiedenen Plattformen miteinander verzahnen.

Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Außendarstellung Deiner Marke, Deines Unternehmens, etc. auf jeder Plattform einheitlich ist. 

 

Testszenario erstellen

Um einen Test erfolgreich durchzuführen gibt es einige Punkte die Du beachten solltest:

  • Definition von Metriken für die Erfolgsmessung
  • Bestimmung des Startzeitpunkt und Zeitraum
  • Festlegen, wie Du den Kanal testest

Fazit

Neue Plattformen bieten definitiv große Chancen, aber auch Risiken. Zum Einen sinkt Deine Abhängigkeit, wenn Du mehrere Kanäle nutzt und Du gewinnst schnell Marktanteile wenn Du neuen Trends und Plattformen folgst. Zum Anderen kann es durch zu wenig Planung, Budget und Fokus zu Misserfolgen kommen, weil Du auf zu vielen Plattform gleichzeitig bist.

Erfahrungsgemäß musst Du nicht einer der Ersten sein, die auf neue Trends aufspringen, ein Fast Follower zu sein reicht. Jedoch solltest Du die Vorteile von First Movern nicht komplett ignorieren. 

Unterschätze den Aufwand neuer Plattformen nicht und schaue deshalb, ob Du noch etwas aus bereits bestehenden Plattformen herausholen kannst, wenn Du Dich auf sie fokussierst. Gehe hier nach dem Fokus-, Skalierungs- und Automatisierungsprinzip. Unsere Erfahrung zeigt, dass Du neue Plattformen zuerst beobachten und dann erst einsteigen solltest, um diesen Kanal dann intensiv zu betreuen und von ihm zu lernen um das Maximum herauszuholen. 

Robin Heintze

Robin ist Gründer und Geschäftsführer von morefire. Nach der Ausbildung zum Werbekaufmann und dem berufsbegleitenden Studium der Medienwirtschaft machte er sich mit morefiremedia selbstständig und leitet die Agentur nach der Fusion mit rankingCHECK auch weiter gemeinsam mit Marcel Becker und Tom Waniek. Seine große Leidenschaft sind emotionale Texte in Anzeigen und auf Landingpages. Seine Begeisterung für Texte und PPC Themen teilt er in Seminaren und Vorträgen leidenschaftlich mit.

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