Das kleine 1×1 der Farbpsychologie

Die Farbpsychologie beeinflusst unsere Wahrnehmung in vielerlei Hinsicht. Dabei geht es nicht nur um die reine Sichtbarkeit farbiger Elemente. Denn unbewusst ordnen wir verschiedenen Farben verschiedene Emotionen und Charakteristiken zu.  Dabei kann eine Farbe unterschiedliche Eigenschaften zugleich haben, die sowohl positiv als auch negativ besetzt sein können.

 

Inhaltsverzeichnis.

 

Die Wahrnehmung von Farben ist subjektiv

Welche Wirkung eine Farbe bei den Rezipient:innen erzielt, ist nicht allgemein beschreibbar, sondern abhängig von verschiedenen Faktoren, unter anderem:

  • vom kulturellen Hintergrund: Schwarz gilt in unserem Kulturkreis auch als Farbe der Trauer bzw. des Todes, während in weiten Teilen Asiens bzw. in buddhistisch geprägten Ländern bis heute Weiß als Trauerfarbe gilt.
  • von (Lern-)Erfahrungen: Wenn jemand ein:e passionierte:r Schnäppchenjäger:in ist, wird ihn die Signalfarbe Rot wahrscheinlich an Rabattaktionen und Discounts erinnern.
    Ebenso ist Rot in unserem Kulturkreis gemeinhin ein Zeichen für “Gefahr” oder “Stop” (denken wir an eine rote Ampel).
  • von den eigenen Vorlieben: Wer die Farbe Gelb nicht mag (weil sie ihn bspw. an einen ungeliebten Fußballclub erinnert), der wertet ein gelbes Design vermutlich als weniger ansprechend.
  • von der Fähigkeit einer Person, Farben wahrzunehmen: Abgesehen davon, dass Menschen ein und denselben Farbton manchmal völlig unterschiedlich interpretieren (hier ein klassisches Beispiel dafür) –betrifft dieser Fakt insbesondere User mit einer Farbsehschwäche.

 

Beispiel: Farbgebung eines Ticketpreises

In dieser Abbildung wird der Preis der verschiedenen Sitzplätze ausschließlich durch die Farbe dargestellt (links im Bild). Für ein:e User:in mit einer Farbsehschwäche (rechts im Bild) ist es nahezu unmöglich die Sitze den Preisen zuzuordnen. Schlimmstenfalls kann sich also eine wenig durchdachte Nutzung von Farben sogar negativ auf die Usability einer Website auswirken.

 


 

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Einzelfarben und ihre Wirkung im westlichen Kulturkreis

Nichtsdestotrotz kann man innerhalb eines Kulturkreises eine bestimmte Symbolik bestimmter Farben voraussetzen. Die folgende Auflistung zeigt Dir diese Farben und ihre gängigen Assoziationen (sowohl positiv als auch negativ): 

positiv negativ
Rot Aktion, Leistung, Energie, Geschwindigkeit, Leidenschaft, Lust, Liebe, Kraft, Mut, Aufmerksamkeit erregend, motivierend, anregend, spannend, warm, spontan, selbstbewusst Aggressivität, Wut, dominant, übertrieben, ermüdend, rücksichtslos, gefährlich, bedrohlich. rebellisch, eigensinnig, gewalttätig, brutal
Grün Wachstum, Vitalität, Erneuerung, Selbstvertrauen, Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, taktvoll, harmonisch, ausgeglichen, ruhig, Natur, Nachhaltigkeit, Familienorientiert, pragmatisch, bodenständig, sympathisch, mitfühlend, großzügig, freundlich, anpassungsfähig, flexibel besitzergreifend, materialistisch, gleichgültig, übervorsichtig, neidisch, selbstsüchtig, gierig, geizig
Blau Loyalität, Vertrauen, Integrität, taktvoll, fürsorglich, besorgt, Zuverlässigkeit, Verantwortung, Ordnung, Ausdauer, idealistisch, ordentlich, Autorität, Hingabe, Frieden, Ruhe starr, betrügerisch, boshaft, selbstgerecht, abergläubisch, emotional instabil, zu konservativ, vorhersehbar, schwach, unversöhnlich, frigide, Manipulation, Untreue, Misstrauen
Gelb fröhlich, glücklich, spielerisch, optimistisch, erhebend, Spaß, Licht, Vertrauen, Originalität, Kreativität, anspruchsvoll, akademisch, analytisch kritisch, wertend, ungeduldig, impulsiv, egoistisch, pessimistisch, minderwertig, boshaft, feige, hinterhältig, unemotional, unempathisch
Orange aktiv, abenteuerlustig, risikobereit, lebendig, anregend für die Sinne, erschwinglich, warm, kontaktfreudig, optimistisch, enthusiastisch, fröhlich, selbstbewusst, unabhängig, extrovertiert, ungehemmt, warmherzig, angenehm, informell oberflächlich, unaufrichtig, abhängig, zügellos, pessimistisch, billig, ungesellig, übermäßig stolz
Lila ungewöhnlich, individuell, kreativ, erfinderisch, intuitiv, humanitär, selbstlos, unbegrenzt, Geheimnis, Fantasie, Zukunft unreif, unpraktisch, zynisch, distanziert, pompös, arrogant, betrügerisch, korrupt, Größenwahn, Aufsteiger
Weiß Unschuld, Reinheit, Sauberkeit, Gleichheit, vollständig / ganz, Einfachheit, makellos, autark, unberührt, offen, Neuanfang stark, wählerisch, leer, isoliert, vorsichtig, kritisch, langweilig
Schwarz  Autorität, Macht, Kontrolle, Schutz, Komfort, stark, formal, raffiniert, verführerisch, geheimnisvoll, Ende, Anfang spröde, deprimierend, pessimistisch, geheimnisvoll, ernst, Kontrolle, Trauer, Negativität
Grau Intellekt, Wissen, Weisheit, Sicherheit, professionell, ausgereift, würdevoll, unauffällig, neutral, zeitgenössisch langweilig, starr, Melancholie, Einsamkeit, leblos, bieder, gleichgültig, reserviert, Kälte, Armut

Farben in der Psychologie

Neben dieser losen Sammlung, gibt es auch einige (zumeist werbepsychologische) Modelle, die bestimmten Farben eine bestimmte Wirkung zuschreiben.

So sind beispielsweise im Limbic® Ansatz nach Dr. Hans Georg Häusel die verschiedenen Farben den Emotionssystemen (und somit den verschiedenen Persönlichkeitsausprägungen) zugeordnet.  

Nach diesem Ansatz fühlen sich bspw. stark dominante Persönlichkeiten besonders von den Farben Rot, Schwarz & Gold angesprochen, während Balance-orientierte Personen eine Affinität zu Braun und stark stimulanten Personen eine Vorliebe für Orange zugeordnet wird.

Farbmanagement nach Limbic Types

 93% der Käufer.innen finden das Visuelle als Nummer 1 der Einflussfaktoren für ihre Kaufentscheidungen

Truelist, 2021


Die Wirkung von Farben ist abhängig vom Kontext

Es macht generell wenig Sinn, die Farben isoliert voneinander zu betrachten, denn Farben wirken grundsätzlich im Kontext miteinander.

Dieser Fakt betrifft nicht nur die Nutzbarkeit für Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern ist ein entscheidender Faktor für die generelle Usability einer Seite.  Sind bspw. die Farbkontraste zwischen Typografie und Hintergrund nicht ausreichend hoch, werden die Inhalte für alle User:innen schwer lesbar.

Wir sehen also, eine Farbe wirkt immer mit und durch die Farben in ihrem Umfeld.

Betrachtet man einen klassischen 24-teiligen Farbkreis, wird deutlich, welche Farben  stark kontrastierend zueinander wirken und welche miteinander harmonieren, allerdings eine geringe Kontrastwirkung zueinander haben:

Farbregeln

Wenn Du mehr über die verschiedenen Farbschemata und ihre Anwendung im Grafik-Design wissen möchtest, bietet dir Wikipedia hier eine sehr übersichtliche Darstellung der 6 wichtigsten Farbschemata.

Wie Du Deine User:innen nicht nur grafisch, sondern auch inhaltlich mit Hilfe von Entscheidungsheuristiken von Deinem Angebot überzeugst, erfährst Du hier.

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Fazit

Farben solltest Du im Marketing definitiv nicht vernachlässigen, denn sie haben einen maßgeblichen Einfluss auf Deine User:innen. Jedoch solltest Du beachten, dass Farben je nach Kontext unterschiedlich wahrgenommen werden. Die Wahrnehmung ist also z.B. abhängig vom Kulturkreis, eigenen Vorlieben, etc.

In der Psychologie gibt es Modelle, die Farben eine bestimmte Stimmung bzw. Wirkung zuschreiben.

Wichtig: Betrachte Farben nie einzeln. Für die Usability Deiner Seite sollten die Farben nicht nur schön aussehen und ansprechend sein, Du musst auch auf Farbkontraste achten, damit z.B. Schrift leserlich bleibt.

Hellen Pitikaris

Geschrieben von

Hellen hat Kommunikationsdesign und Wirtschaftspsychologie studiert und ist seit 2014 im Online Marketing tätig. Als Head of Conversion Rate Optimisation & User Experience beschäftigt sie sich am liebsten mit dem Thema Performance Marketing und den dazugehörigen Landing Pages.

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