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AMP – Accelerated Mobile Pages Project

Verfolgt man ein wenig die Neuigkeiten über die Entwicklung des mobile Web, so ist in den vergangenen Monaten häufiger die Abkürzung AMP aufgetaucht. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, geben wir heute einen kurzen Überblick worum es sich dabei handelt und warum Google das Projekt ins Leben gerufen hat.

Was ist AMP?

AMP steht für Accelerated Mobile Pages Project. Dahinter steht ein(e) Open-Source-HTML-Spezifikation / -Framework, welche(s) auf aktuellen Web-Technologien basiert und zum Ziel hat, die Ladezeiten mobiler Webseiten zu reduzieren. Webseiten, die auf AMP basieren, funktionieren in allen modernen Webbrowsern oder App Webviews, sind allerdings auf ein limitiertes Set an technischen Funktionalitäten und Elementen beschränkt. Durch die Restriktionen für die Verwendung von HTML, CSS und Javascript erreichen AMP-validierte Webseiten eine schnellere Bereitstellung.

Was sind die Vorteile von AMP?

Der erklärte Vorteil von AMP ist die deutliche Reduzierung der Ladezeit von Webseiten auf mobilen Endgeräten. Durch eine Reduzierung des notwendigen Speicherplatzes und der technischen Komplexität sowie einem ausführlichen Caching direkt bei Google sollen Webseiten auf Mobilgeräten nahezu ohne Wartezeit geladen werden und dabei eine Beschleunigung um 15 – 85 % erreichen. Zudem soll die entsprechende Webseite noch vor dem vollständigen Abschluss des Ladevorgangs benutzbar sein – ein Konzept, welches an Video-Streaming erinnert – indem z.B. Grafikdateien erst im sichtbaren Bereich geladen werden.

Was sind die Nachteile von AMP?

Die in der Fachpresse bisher vermuteten Nachteile leiten sich unmittelbar von der bewusst getroffenen Entscheidung ab, auf ein limitiertes Set an Webtechnologien zu setzen. So sind durch die Limitierungen im CSS bestimmte Layout-Optionen (z.B. Übergänge und Animationen) nicht mehr realisierbar und durch die Verschlankung des HTML bestimmte Elemente (z.B. Formulare) nicht mehr verfügbar. Da zudem kein Javascript-Code von Drittanbietern verwendet werden darf, ist die Einbindung von Tracking-Pixeln zunächst nur eingeschränkt möglich. Was AMP also für Werbeformate und Werbetreibende sowie komplexere Webseiten bedeutet, wird sich mittelfristig erst zeigen.

Wie lässt sich das AMP verwenden?

Grundsätzlich funktioniert das gesamte AMP-Verhalten so, dass die validierte, mobile AMP-Webseite auf dem eigenen Server liegt und ein rel=“amphtml“ Tag von der Desktop-Webseite erhält sowie ein Canonical-Tag zurück zur Desktop-Webseite enthält. Eine zweite Version der AMP-Webseite liegt auf dem Cache-Server von Google unter gstatic.com und wird per Canonical Tag mit der Desktop-Webseite verknüpft. Hier existiert also eine von Google gehostete Cache-Version der AMP-Webseite, die später im Rahmen der beschleunigten Bereitstellung geladen wird. Für eine detaillierte Erläuterung der Zusammenhänge sei an dieser Stelle der Moz Whiteboard Friday vom 18. Dezember empfohlen.

Die HTML-Spezifikationen zur Erstellung von AMP-Dokumenten lassen sich auf der offiziellen Projekt-Seite einsehen. Erste prominente CMS wie WordPress bieten mittlerweile Plugins an, die bei der Erstellung von AMP-validierten Dokumenten unterstützen. Die Chrome Developer Tool Console bietet zudem einen AMP-validator an, für bereits erstellte AMP-Webseiten. Darüber hinaus hat Google erst kürzlich die Search Console um einen AMP-Fehlerbericht erweitert, der unter Darstellung der Suche > Accelerated Mobile Pages eingesehen werden kann.

Was hat das Ganze mit organischen Suchergebnissen zu tun?

Wer jetzt auf AMP umsteigt und eine entsprechend validierte mobile Webseite launcht, profitiert zukünftig möglicherweise von einer angepassten Darstellung in den mobilen Suchergebnissen. In der kürzlich erschienenen Vorschau von Google ist die Darstellung von AMP-Artikeln in einem Karussell oberhalb der organischen Suchergebnisse demonstriert. Auffällig dabei sind vor allem die starke Prominenz und die unmittelbare Bereitstellung direkt aus dem Google Cache. Wann Google das Feature ausrollt und in welcher Frequenz (und für welche Suchanfragen) das demonstrierte Karussell eingeblendet wird, bleibt abzuwarten. Aktuell kursieren Gerüchte, der offizielle Launch stehe bereits nächste Woche, zum 24. Februar an. Zu erwarten ist in jedem Fall eine stark erhöhte Aufmerksamkeit für AMP-validierten Webseiten in der mobilen organischen Suche und demnach eine konsequente Fortsetzung des mobile-friendly Labels.

Für wen eignet sich AMP?

Zum aktuellen Zeitpunkt lässt sich vermuten, dass die Einblendung des AMP-Karussells oberhalb der organischen Suchergebnisse in erster Linie für News Keywords und somit reinen Reading Content auftreten wird. So sind die bisherigen Test-Partner von Google hauptsächlich bekannte News Publisher wie der Guardian, die Washington Post u.a., die genau diesem Format entsprechen. Die bewusste Einschränkung von Web-Technologien scheint zunächst einmal komplexere Website-Strukturen zu disqualifizieren und reduziert das mobile Web an dieser Stelle eher auf Lightweight Content. Content Publisher oder auch Corporate Blogs sowie ggf. einzelne redaktionelle Artikel könnten von der Technologie mittelfristig jedoch stark profitieren. Möglicherweise wissen wir bereits nächste Woche mehr.

Jasper Thibaut ist Head of SEO bei morefire und mobile SEO Spezialist. Beruflich wie auch privat setzt er sich verstärkt mit dem mobilen Web und Disziplinen des mobile Marketings auseinander. Mehr von ihm gibt es auf jasper-thibaut.de

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