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SEOkomm 2018 Salzburg – Recap

Eine tolle Konferenz in einer wunderschönen Stadt mit Blick auf die, zumindest für einen Flachlandtiroler, beeindruckende Bergkulisse. In der Brandboxx Salzburg gab es eine große Auswahl an wirklich guten Vorträgen, verteilt auf drei Räume. In diesem Recap gebe ich meine Eindrücke von der SEOkomm 2018 in Salzburg wieder. Viel Spaß dabei!

Die Konferenz

Die Brandboxx ist eine moderne Eventlocation vor den Toren Salzburgs. In den drei Räumen mit Bühnen hatte man ausreichend Platz (ist nicht bei jeder Konferenz so), man konnte von überall gut sehen und es gab auch Tische, an denen man z.B. gut Recaps schreiben konnte. Die Infrastruktur war also sehr gut, Strom und WLAN waren keine Mangelware. Das Mittagessen konnte man an vier verschiedenen Stationen einnehmen, sodass keine langen Wartezeiten entstanden sind. Überhaupt konnte man den ganzen Tag essen und sich aus einer sehr reichhaltigen Getränkeauswahl bedienen. Nicht das schlechteste Umfeld, um viele neue Informationen aufzusaugen. Weiter geht es mit den von mir besuchten Vorträgen.

SEOkomm

Keynote: Codename: kona (Marcus Tandler)

Eine wirklich fulminante Keynote präsentierte Marcus Tandler in 420 (!) Slides. Wichtiger als die Sichtbarkeit ist die Entwicklung der erzielten Klicks, eine Tatsache, die leider oft sehr schwer zu vermitteln ist. Am Beispiel der spanischen Subdomain von Ryte zeigte Marcus den Einfluss des Medic Updates auf die Seite auf. Dort gab es einen deutlichen Sichtbarkeitsverlust, im Gegenzug gab es aber deutlich mehr Klicks. Letztendlich sind Keywords weggefallen, die ohnehin nicht geklickt wurden. Die Seite ist dadurch effizienter geworden. Interessant um solche Analysen aufzustellen ist, dass die Search Console per API-Call 25.000 Anfragen ausspuckt, manuell sind es nur 1.000.

Die Zukunft der Suche ist die Voice Search (Stichwort: codename kona). Das Ziel von Google ist es, bis 2029 den Unterschied von maschineller zu menschlicher Sprache zu negieren. Was bedeutet das für SEO? Google kills the URLs. Heißt: Informationen werden wichtiger als Webseiten. Granulare Informationen werden immer bedeutsamer, die Strukturierung von Daten bzw. die Auszeichnungen von strukturierten Daten wird immer wichtiger, z.B. die Auszeichnung von Questions & Answers.

Google arbeitet gerade an einem universellen Betriebssystem (Fuchsia), das zukünftig Android und Chrome ersetzen soll. Einzelne Informationen könnten dann noch einfacher als bislang Cross-Device abgefragt und auch getrackt werden. Schon jetzt werden Progressive Web Apps (also Webseiten) im Google Play Store angezeigt, ein erstes Anzeichen für die Verschmelzung von Systemen und Geräten. Durch die Forschung im Voice Search Bereich, die Verschmelzung von Systemen und die Hilfe durch die korrekte Strukturierung von Daten von Webmastern, dürften Voice Searches schon bald gezielt beantwortet werden können und das mit einer sehr menschlich anmutenden Stimme.

Neues seit der letzten SEOkomm (Alexander Geißenberger)

Ärgerlich war die kurzfristige Erweiterung der angezeigten Meta Descriptions auf bis zu vier Zeilen, die schon nach kurzer Zeit wieder zurückgenommen wurde. Schön, wenn man nur sehr zurückhaltend darauf optimiert hat.

Ein großes Thema war die Suchposition Zero, also eine Direct Answer innerhalb der Suchergebnisse, die leider den Nachteil hat der Position Eins einen großen Teil der Klicks wegzunehmen.

Die Bildersuche von Google wurde neugestaltet und liefert jetzt mehr Informationen als bisher. Wichtige Rankingkriterien sind hier die Position der Bilder, die Aktualität und die Autorität. Ein wichtiger neuer Google Dienst: Google Lens. Hier kann ein Klick in ein Bild eine neue Suche auslösen. Dies verspricht neue Optimierungspotentiale.

Das noch nicht vollständig abgeschlossene Update der Google Search Console war auch ein großes Thema. Zwar muss man für bestimmte Informationen noch die alte Version bemühen aber alleine schon, dass Suchdaten jetzt 16 Monate angezeigt werden, ist ein deutlicher Gewinn.

Die PageSpeed ist in 2018 deutlich bedeutsamer geworden. Weniger indem Google schnelle Seiten belohnt, sondern vielmehr indem sehr langsame Seiten abgestraft werden. In diesem Zug hat Google vor kurzem die Google PageSpeed Insights deutlich aufgewertet.

Auch Alexander sieht die Auszeichnung von Daten als wichtiges Thema und verweist auf Schema.org Markups wie Jobs oder Speakable. Neben der Strukturierung ist es wichtig, immer nur relevanten Content zur Verfügung zu stellen, also entweder wertet man bestehenden Content auf oder man löscht ihn, wenn er minderwertig ist und keine Relevanz hat.

Alexander Geissenberger

Shop SEO: Durch Datenanalyse zu besseren SEO Rankings (Stephan Czysch)

Der wichtigste Punkt sollte immer zu Beginn mit dem Kunden besprochen werden: Wofür möchte man ranken? Ist das Suchvolumen hier die entscheidende Größe oder andere Kriterien wie etwa der Lagerbestand? Und: Können die Keywords durch das Inventar überhaupt abgedeckt werden?

Bei der Keywordanalyse ist es wichtig die Produktdaten und Eigenschaften mit einzubeziehen. Außerdem sollte überlegt werden, wie man die Keywords platzieren will, z.B. auf Produktseiten, auf Kategorieseiten oder auf Landingpages, die man extra dafür erstellt, um z.B. aktuelle Trends (NASA Kleidung) abzudecken.

Stephan stellte interessante Analysemöglichkeiten vor: Auf welcher Ebene erzielen URLs wie viele Impressionen? Und: Wie viel Traffic erhalten einzelne Seitentypen? Dies hilft den passenden Seitentyp für eine Seite zu finden und auch die Verlinkung zu dieser zu optimieren.

ROI im SEO: Messbarkeit des wirtschaftlichen Erfolgs im SEO (Artur Kosch)

SEO funktioniert leider nur mittel- bis langfristig. Eine Tatsache, die es schwer macht unsere Arbeit wirtschaftlich zu begründen. Deshalb ist es besonders sinnvoll zu Beginn einer Zusammenarbeit die Ziele von SEO zu definieren. Diese können nämlich sehr individuell sein. Man kann jedoch dem Kunden wichtige KPIs mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen und daraus gemeinsame Ziele definieren. Damit diese Ziele möglichst realistisch sind, ist eine Prognose für zwei oder mehr Jahre durchaus sinnvoll. Hier ist eine Unterteilung in Brand- und Non-Brand-Traffic (hochgerechnet aus Search Console Daten) sehr sinnvoll, um daraus Traffic- und Conversion-Ziele abzuleiten. Wichtig ist es zu kommunizieren, dass es in der Regel mindestens ein halbes Jahr dauert, bis sich die Investitionen in SEO wieder refinanzieren und vor allem, dass ein erfolgreiches SEO auch von anderen Ressourcen wie etwa einer funktionierenden IT abhängig ist.

SEO is not dead! Die Wahrheit über Nutzerbedürfnisse, Keyword Klassifikation, Rankingfaktoren und Googles RankBrain (Kai Spriestersbach)

Mit RankBrain lernt Google welche Rankingfaktoren wann funktionieren. Das ist gut für die Nutzer, macht SEO aber schwieriger. So taucht z.B. manchmal der Inhalt der Suchanfrage nicht direkt im Ergebnis auf, weil Google die Suchanfrage versteht und auch ein inhaltlich passendes Ergebnis ausspielt. Rankingfaktoren sind abhängig von der Suchintention und unterscheiden sich vor allem nach navigationalen, informationalen und transaktionalen Suchinteressen. Beantwortet Google die Frage direkt („Wie groß ist Dirk Nowitzki?“), ist das Keyword nicht interessant für die Optimierung, da die dahinter liegenden organischen Ergebnisse nicht mehr relevant sind. Rankings sind standortabhängig, allgemeine Keywords wie z.B. „Pizza“ haben keine Relevanz für einen Pizza-Lieferdienst in München. SEO sollte Hypothesen-getrieben sein. Man sollte Thesen aufstellen, welche Suchintentionen der Kunde haben könnte und genau auf diese Bedürfnisse optimieren. Dabei sollte man agil denken und die Seite immer wieder anpassen, auch weil es viele verschiedene Suchintentionen geben kann und sich diese ständig ändern.

JavaScript SEO – a guided tour (Martin Splitt)

JavaScript wird sehr vielseitig eingesetzt. Im SEO relevant: Die Single Page App (SPA). JavaScript lädt hier den eigentlichen Content nach (z.B. mit AJAX). Hier gibt es drei Arten:

Client-Side Server-SideHybrid

Needs JavaScript

No JavaScript neededJavaScript optional

No code changes

Needs code changes

Needs code changes

Potential speed issuesPotential UX issues

Best of both worlds

Generell ist das Crawling von JavaScript sehr aufwendig, ein hoher technischer Kenntnisstand ist daher erforderlich, wenn man JavaScript einsetzt. Ganz aktuell hat mein Kollege Carsten Koller dazu einen aufschlussreichen Artikel (JavaScript & SEO) geschrieben.

Das Fazit von Martin Splitt:

Fazit von Martin Splitt

Die richtigen SEO Maßnahmen: Ein Entscheidungsframework für SEOs (Sebastian Erlhofer)

Besonders interessant an diesem Vortag waren die drei Regeln des SEO:

  1. Es gibt keine Sicherheit im SEO
  2. SEO kostet immer zwei Mal, das erste Mal bei der Analyse, das zweite Mal bei der Optimierung
  3. Man hat nie ausreichend Ressourcen

Außerdem auch die drei Aussagen zu SEO:

  1. SEO ist komplex
  2. Es gibt keine einfachen Wenn-Dann-Regeln
  3. Ein SEO-Framework erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit

Als Framework schlug Sebastian zunächst eine Score Card vor, mit deren Hilfe man Webseiten quantitativ und qualitativ bewertet, ein Quick-Audit, das auch teilautomatisiert werden kann. Außerdem stellte er die Arbeitsmethoden Objective Key Results, Kanban und Retrospektive vor, Arbeitsweisen, die nicht direkt aus dem SEO bzw. dem Online Marketing kommen aber auch dort eingesetzt werden können.

Was du von Suchmaschinen über SEO lernen kannst? (Thomas Mindnich)

Thomas stellte die Funktionsweise von Suchmaschinen vor. Ein Problem für Suchmaschinen: Nutzer sind schlechte Sucher, es gibt häufig falsche Wörter in Suchanfragen, um die richtigen Ergebnisse zu finden. Dazu müssen sich Suchmaschinen viel einfallen lassen, um qualitative Suchergebnisse bereit zu stellen. Auf die in der Vorab-Beschreibung gestellten Fragen „Was sind die richtigen Inhalte für deine Webseite?“, „Welche sinnlosen Optimierungsmaßnahmen kannst du dir sparen?“ und „Wie kannst du die Auswirkung aktueller und zukünftiger Google Updates besser einschätzen?“ wurden leider nicht beantwortet. Schade!

Alles Google, oder was? Identifikation relevanter Suchsysteme (Karl Kratz)

Der abschließende Vortrag war kein Vortrag im eigentlichen Sinne, sondern fast mehr ein Meinungsaustausch. Dabei ging es um die Fragen:

  • Was spricht dagegen von Google unabhängiger zu werden?
  • Warum optimiert man nicht auf andere Suchsysteme?
  • Was passiert, wenn Google morgen nicht mehr wichtig ist?

Im SEO wird fast ausschließlich auf Google optimiert, Siri nutzt kein Google, Suchmaschinen wie Ecosia oder DuckDuckGo haben zwar noch geringe Marktanteilen, wachsen aber stetig. Großen Firmen, wie etwa Nokia oder Yahoo sind innerhalb von wenigen Jahren verschwunden, auch Google kann dies passieren.

Wichtig ist immer die Ownership über die eigenen Inhalte zu behalten, stetig zu wissen, was es für alternative Suchsysteme gibt und auch jetzt schon auf diese zu setzen und sich nicht ausschließlich auf Google zu konzentrieren. Denn, wenn Google irgendwann keine Rolle mehr spielt, sollte man vorbereitet sein.

Speaker SEOkomm

Meine Learnings & das Fazit

Meine Learnings von der Konferenz sind folgende:

  • Ältere SEO’s sagen S E O, nicht SEO
  • Buzzword der Konferenz: Entität
  • Strukturierte Daten werden immer wichtiger
  • JavaScript ist ein sehr komplexes Thema
  • Man sollte sich im SEO mehr mit dem Thema Zieldefinitionen und Umsetzprognosen beschäftigen

Und das Fazit: Die SEOkomm ist eine gut organisierte Konferenz, mit tollen Speakern in einem sehr schönen Umfeld. Ein Besuch ist jedem SEO nur empfohlen. 2019 findet die 10te SEOkomm statt, ich freue mich drauf!

Weitere Recaps zur SEOkomm

Robert Zimmermann ist Senior Consultant SEO bei morefire und schreibt über alle Themen, die mit Suchmaschinenoptimierung zu tun haben. Privat betreibt er unter anderem den Erdmännchen Shop.

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