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Urheber im Internet

Am 2. Januar wurde in Spiegel Online über einen Fall berichtet, bei dem ein Fotograf mehrere deutsche Blogs angeschrieben hat. In dem Anschreiben wurden anscheinend mehrere hundert Euros gefordert und bei nicht Zahlung mit dem Anwalt gedroht. Exemplarisch wurde über Carsten Harkenhoff und seinem Blog http://toomuchinformation.de/ berichtet, der eine Zahlung von 250€ an den Urheber entrichtet hatte.

Das Bild um das es sich handelt, ist eines der zahlreichen Spaß-Bilder die im Internet kursieren.

Ich möchte an dieser Stelle nicht über Recht oder Unrecht im Sinne des Gesetzbuches diskutieren, da liegt das Recht eindeutig bei dem Urheber des Bildes. Es geht mir um die Einstellung von eben solchen Urhebern im Internet.

Urheber
Es ist immer wieder das gleiche Muster, Urheber (ich verallgemeinere hier, aber ich meine natürlich nur solche wie im Spiegel Artikel) bestehen beharrlich darauf, dass das Recht auf ihrer Seite ist und die Anderen sich ändern müssen. Dabei übersehen sie aber meiner Meinung nach eine wichtige Tatsache: Sie sind die Fremden im Internet. Jeder der produktiv im Internet unterwegs ist, weiß irgendwann, dass einem im Internet nichts “vollständig” gehört.

Statt sich aber den Gegebenheiten anzupassen und die Möglichkeiten zu nutzen, benehmen sie sich wie die sprichwörtlichen “Elefanten im Porzelanladen”. Wenn ich mir die Tipps in diversen Fotoforen zur Durchsetzung des Urheberrecht im Internet durchlese, muss ich schon manchmal den Kopf schütteln. So etwas Internetfremdes/Weltfremdes habe ich selten gelesen.

SEOler
Als SEOler kann man an dieser Stelle auch nur den Kopf schütteln über das verschenkte Potential, das die virale Verbreitung solch eines Bildes mit sich bringt. Was wäre wohl passiert, wenn der Urheber, statt Geld zu fordern, Backlinks gesammelt hätte? Was wenn er das Potential genutzt hätte und auf seiner Seite das virale Bild als Poster zum Verkauft angeboten hätte? Was wenn er einen Bildschirmschoner, Desktophintergrund oder Fotopakete zum Kauf angeboten hätte?

Erklärung?
Warum verschwenden manche Menschen Potential, Zeit & Geld um sich Ihr Recht einzuklagen, wenn sie mit dem gleichen Aufwand etwas viel größeres erreichen könnten? Meine einzige Erklärung ist Unwissen.

Viele Menschen, die in der Offline-Welt aktiv sind und aus irgendeinem Grund online gehen, haben meist nicht viel Ahnung vom Internet. Das ist zunächst auch nicht verwunderlich, da die Einstiegshürden extrem niedrig sind. Im Internet angekommen erwarten Sie nun aber, dass dieses genauso funktioniert, wie in der Offline-Welt, da sie keine anderen Erfahrungswerte besitzen, auf die sie zurückgreifen könnten. Ihre Einstellung wird unterstützt durch die Gesetze, die zwar aus gutem Grund existieren, aber wie schon an zahlreichen anderen Stellen diskutiert, nicht mehr der Zeit entsprechen.

Alternativen
Was passieren kann, wenn man sich den Möglichkeiten des Internets öffnet, hat vor kurzem Louis C.K gezeigt, der mit einem Video seines Standup Programms Millonär geworden ist. Die DVD kostet nur $5 und hat keinerlei Beschränkungen. Kein DRM, kein Kopierschutz, keine Beschränkung der Verbreitung oder sonstigen “Crap”. Man kann es weltweit runterladen und weltweit abspielen.

Geschrieben von

Nico Graff ist selbstständiger Webentwickler aus Köln. Er baut Programme und Services und schreibt über die Selbstständigkeit unter graff.cc.

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11 Kommentare

Raymond Appels schrieb am 10. Januar, 2012 @ 14:34

Ist alles völlig richtig Nico…

Es ist denke ich auch völlig OK, wenn er sein Recht kurz belegt und um einen freiwilligen Beitrag bittet, falls ihm einen Backlink oder Ähnliches nicht ausreicht.

Mit einem Anwalt zu drohen ist äußerst unfreundlich und entfernt jede Sympathie von der Bildfläche.

Liebe Grüße, Raymond

Ronny schrieb am 10. Januar, 2012 @ 15:35

Du bringst es auf den Punkt. Kopieren ist erst illegal geworden, seitdem man damit Geld verdienen kann. Man stelle sich nur mal vor, der Sonnenkönig (Ludwig der XIV.) wäre im 17 Jahrhundert, bei seinen Besuchen an den Höfen der deutschen Fürsten, auf die Idee gekommen diese zu verklagen, weil sie seine Gartenanlagen kopiert hätten. Dieses ganze Juristerei sorgt doch am Ende nur dafür, die Kreativität zu killen.

Marc Nemitz schrieb am 10. Januar, 2012 @ 21:45

Hallo,

also ich würde hier mal stark differenzieren, da ich gerade selbst betroffen bin.
Wenn man Ausschnitte oder einzelne Bilder nimmt, okay, Backlinks sammeln ist hier sicherlich der richtige und monetar bessere Weg.
Wenn es dabei aber nicht bleibt?
Zur Zeit schlage ich mich mal wieder mit jemandem herum, der ruckizucki per Drag & Drop ein komplettes Projekt 1zu1 kopiert hat. Da hört dann der Spaß schon wieder und schadet dem eigenen Projekt ganz erheblich. In einem solchen Fall sollte man schon „unsymphatisch“ auftreten dürfen.

mfG

Marc

Raymond Appels schrieb am 10. Januar, 2012 @ 22:17

Klar hast du damit Recht, Marc.

Alles muss sich „im Rahmen“ halten und mit Respekt geschehen.

Trotzdem kann man einmal freundlich abmahnen oder eine andere Lösung ansprechen.

Wenn der Rechtsweg einmal eingeschlagen ist, findet sich meistens kein Weg zurück.

Grüß, Raymond

Jürgen schrieb am 13. Januar, 2012 @ 17:45

Ich halte ebenfalls die Argumentation aus SEO-Perspektive für sehr verkürzt. Sicher, wenn man mit Suchmaschinenoptimierung oder Online-Marketing sein Geld verdient, dann sind gute Backlinks bares Geld wert. Aber was soll ein Fotograf machen, der nunmal seinen Lebensunterhalt durch das Erstellen von Fotografien verdient, und legitimerweise einen Anspruch auf die Beachtung seiner Urheberrechte hat. Das rechtfertigt natürlich das systematische Abgrasen von Webseiten ahnungsloser Hobbywebmaster nicht, aber das Urheberrecht hat durchaus seine Daseinsberechtigung.

Rüdiger Kladt schrieb am 16. Januar, 2012 @ 11:34

Noch schöner wird es, wenn Bilder über ein Portal kostenfrei angeboten werden und einem dann anschließend Abmahnung mit 1133 € ins Haus flattert, weil man den Urheber nicht korrekt benannt haben soll. Da wird dann das Bild mit 6800 € bewertet. Woraus sich dann mit Anwaltskosten usw. eben ein solcher Betrag ergibt.

Da drängt sich der Eindruck auf, dass das Portal lediglich dazu dient, sich darüber zu informieren, wer Bilder herunterlädt um dann einfach prüfen zu können.

Selbst, wenn der Vorwurf gerechtfertigt wäre, würde eine E-Mail reichen. So haben jetzt die Anwälte ihren Spaß und ihr Auskommen.

Anton schrieb am 18. April, 2012 @ 17:15

Man muss heute schon sehr aufpassen, wenn man Bilder aus dem Internet einfach kopiert und für den eigenen Internetauftritt nutzt. Aber es ist durch eine Flut an Informationen im WWW trotzdem sehr schwer nachzuverfolgen, wer welche Bilder übernimmt.

Oliver schrieb am 28. Juni, 2012 @ 15:31

Es gibt halt immer wieder diese Leute, die ein Feingefühl wie ein Amboss haben. Den Rechtsweg kann man im zweiten Anlauf (wenn der erste erfolglos war) immer noch wählen.

Gruß
Oliver

Rene schrieb am 1. Januar, 2013 @ 18:40

Wir machen es grundsätzlich so, dass alle Fotos selber gemacht – oder gekauft werden. So können keine Mißverständsnisse auftreten. Eine Urheberrechtsverletzung ist juristisch nun mal klar umrissen, auch wenn man über die Form in diesem Fall sicher diskutieren kann.

Alexander schrieb am 19. Januar, 2013 @ 15:11

Hallo,

habe schon selber erlebt, das Fotos von mir ohne Rechte verwendet wurden. Jedoch schaue ich mir jeden Fall einzeln an und entscheide dann, was ich mache. Sehr beliebt sind natürlich Backlinks, aber wenn der Seitenbetreiber sich dann uneinsichtig zeigt werden schon mal schwere Geschütze aufgefahren…. Als Fotograf lebe ich von meiner Arbeit und will dementsprechend auch etwas von der Nutzung meiner Fotos haben 😉

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