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Snapchat – Vom Sexting-Phänomen zum perfekten Werbeumfeld?

Immer populärer wird der Instant-Messaging-Dienst Snapchat in Deutschland und läuft in Sachen Wachstum zurzeit Facebook und Instagram den Rang ab. Schon 200 Millionen Menschen nutzen die App weltweit und ihr Wert wird aktuell auf 19 Milliarden Euro geschätzt. Doch was ist der Clou an der App, die wie eine Mischung aus WhatsApp und Instagram scheint? Was macht sie so attraktiv? Und warum steckt in ihr so viel Potenzial für Content Marketing und Werbung?

2011 wurde Snapchat von Evan Spiegel und Bobby Murphy gelauncht und ermöglichte zunächst lediglich Fotos privat zu versenden, die sich nach Ablauf von wenigen Sekunden selbst zerstören. Dadurch wird der App nach wie vor eine hohe Nutzung des sogenannten „Sextings“ nachgesagt. Der Foto-Dienst mit Selbstzerstörungsfunktion schaffte Vertrauen. Nach einem Hackerangriff im Oktober 2014, wo rund 200.000 Fotos von Snapchat-Usern gestohlen und veröffentlicht wurden, ist deutlich geworden, dass vor allem die jungen User sich dazu verleiten lassen, prekäre Fotos von sich über den Dienst zu versenden. Doch trotz der Tatsache, dass viele Minderjährige Opfer dieser Sicherheitslücke wurden, wächst die App stetig. Auch, dass die Inhalte, die geteilt werden, doch wiederhergestellt und nicht komplett gelöscht werden können, ändert nichts an der Beliebtheit von Snapchat.

Mittlerweile kann man auch kurze Videoschnipsel mit einer maximalen Länge von 10 Sekunden mit der App aufnehmen. Interessant dabei ist, dass sie im Gegensatz zu Instagram nur wenig Bearbeitungsmöglichkeiten bietet. Über die Fotos und Videosequenzen können nur wenige Filter gelegt werden, mit einem Text-Tool kann ein kurzer Text hinzugefügt und mit einem Zeichen-Tool, was sehr an Paint erinnert, kann ein mehr oder weniger künstlerischer Mehrwert entstehen.

„Meine Geschichte“ als Video-Tagebuch

Was die App aber vermutlich in der Vergangenheit um einiges interessanter gemacht hat, ist die Funktion „Meine Geschichte“. Dort können Inhalte mit allen Personen geteilt werden, die einen hinzugefügt haben. Die Fotos und Videoschnipsel bleiben dabei ab dem Zeitpunkt des Uploads für 24 Stunden online und fügen sich zu einer Geschichte zusammen, wodurch eine Art Tagebuch entsteht.

Unter dem Punkt „Live“ reihen sich dabei Videoschnipsel verschiedener Personen aneinander, die von einem bestimmten Ort oder Event aus „gesnappt“ haben.

Redaktionelle Inhalte verschiedener Medienhäuser (z.B. Daily Mail) findet man unter dem Punkt Discover gebündelt. Dort wird Bewegbild mit Textinhalten sehr vielseitig und kreativ eingesetzt und schafft somit eine ganz neue Art der Distribution eigener Inhalte, neben der eigentlichen Online Präsenz.

Doch was macht Snapchat für Werbung und Marketing interessant?

Grafik Altersgruppen
(ComScore Media Metrix, 2014)

Allein die Tatsache, dass Snapchat die App mit dem größten Wachstum in den letzten Monaten ist, zeigt eine unheimliche Steigerung ihrer Popularität. Ein Wachstumsfaktor, den ich persönlich vermute, ist, dass viele bekannte Online-Persönlichkeiten die Funktion „Meine Geschichte“ intensiv nutzen und durch das Erwähnen von Snapchat, wie zum Beispiel in einem YouTube-Video oder auf Instagram, viele junge User auf die App gelotst haben. Denn die junge Altersgruppe, die auch Plattformen wie YouTube am intensivsten nutzt, ist die größte auf Snapchat.

Persönliche Kommunikation

Das Folgen auf Snapchat gestaltet sich etwas umständlicher als bei Twitter oder Instagram, denn jeden User, dem man folgen möchte, muss man per Nutzernamen oder durch Fotografieren des jeweiligen Logos, welches mit einem QR-Code versehen ist, hinzufügen. User-Vorschläge, wie auf Twitter, Facebook oder Instagram gibt es nicht. Dadurch sucht man die User, von denen man die Inhalte konsumiert, sehr gezielt aus, sodass man sich hier auf einer unmittelbaren, authentischen und sehr persönlichen Ebene befindet.

Diese selektive Art der Kommunikation ist besonders für Brand Accounts spannend, da dadurch eine höhere Aufmerksamkeitsspanne besteht, als wenn die eigene Marke lediglich im Feed von Twitter oder Instagram verschwindet.
Ein weiter Vorteil von Snapchat ist, dass die Storys lediglich 24 Stunden online sind. Dadurch besuchen die User tendenziell die App öfters, um keine Inhalte zu verpassen, da sie sonst durch die Selbstzerstörungsfunktion gelöscht werden. Direktnachrichten, sofern sie noch nicht geöffnet wurden, bleiben aber bis zu ihrem Ansehen online.

„The next big thing“ – 3V Advertising

Bekannte Online-Persönlichkeiten haben teilweise Views, die sich weit im sechsstelligen Bereich befinden – und dies täglich. Die Snapchat-User kehren also immer wieder zur App zurück, um informiert zu bleiben. Dies ist besonders für Werbetreibende spannend. Die hohe Aufmerksamkeitsspanne bietet ganz neue Werbemöglichkeiten. Dies hat Snapchat erkannt und die 3 V’s (Vertical Video Views) eingeführt. Dies sind Werbeanzeigen, die über den gesamten Smartphone-Screen gehen. Dazu nutzt Snapchat kein Targeting, sondern bettet die Anzeigen innerhalb der Geschichte oder Live-Snaps ein. Alternativ werden die Anzeigen auf einem bestimmten Sender im Discover-Bereich gebucht.

Trotz des fehlenden Targetings soll mit „3V Advertising“ die richtige Zielgruppe erreicht werden, wenn die Werbung bestimmten Events zugeordnet wird. Einfaches Beispiel: Coca Cola könnte Werbung im Zusammenhang mit einem Festival schalten, bei dem Cola konsumiert wird.

Geofilter nutzen

Snapchat-Geofilter.jpg

 

Ebenfalls spannend ist die Werbung über die Filter. Snapchat verfügt über sogenannte Geofilter, die genutzt werden können, sobald man sich in dem ausgewählten Bereich befindet (z.B. ein Berlin-Filter, wenn man sich in Berlin oder Umgebung aufhält). McDonalds hat diese Funktion für sich genutzt und einen Geofilter kreiert, der in der Umgebung einer McDonalds Filialen genutzt werden kann.

McDonalds-Snapchat-Geofilter.jpg

 

Fazit

Die Spielereien mit Snapchat sind vielfältig und es ist bereits jetzt zu sagen, dass die App sich weit über ihrem ursprünglichen Schmuddel-Image durch das Sexting positionieren konnte. Neue Features ermöglichen mittlerweile eine breitere Nutzung, in der viel Potenzial steckt.  Kreative Werbung über den gesamten Screen oder über die Geofilter ist jedenfalls möglich. Zurzeit zahlt man Summen von 750.000 Dollar für eine 24-Stunden Platzierung, jedoch darf man gespannt sein, wie sich das in Zukunft weiter entwickeln wird.

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2 Kommentare

Manuel schrieb am 4. September, 2015 @ 11:36

Bin gespannt ob Instagram und Snapchat in Zukunft ein großes Werbenetzwerk um den Dienst rum baut, wird nämlich nötig sein um Langfristig auf dem Markt aktiv zu sein.

Pat schrieb am 5. Februar, 2016 @ 19:52

Guter Artikel.
Ich glaube, Snapchat wird DAS neue Netzwerk und allen 2. Social Media Siegern wie z.b. Insta mittelfristig den Rang ablaufen.

Ich bin gespannt 🙂
LG

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